Netzwerk freier Theaterpädagog*innen


Theaterpädagogik – was ist das?

Theaterpädagogik bewegt sich zwischen zwei Bereichen: Theater und Pädagogik. Vom Theater her geht es darum, Menschen miteinander ins Spiel und auf die Bühne zu bringen, den Blick für die Theater-Kunst zu öffnen und ästhetische Kompetenzen zu fördern. Die Pädagogik bringt das Anliegen mit ein, Selbstbewusstsein zu stärken, den persönlichen Ausdruck zu erweitern und damit zur gesamten Persönlichkeitsbildung beizutragen. Entsprechend breit gefächert sind die Zielgruppen (Kinder, Jugendliche, Senior*innen, Lehrer*innen, Erzieher*innen, Pädagog*innen, Menschen mit Behinderung, Mitarbeiter*innen einer Firma, Auszubildende, u.v.a.m.) wie auch die entsprechenden Arbeitsfelder, in denen Theaterpädagog*innen tätig werden.

Die Ursprünge der Theaterpädagogik sind bereits in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts im Schul-, Laien- und Arbeitertheater zu finden. Doch in den 30er und 40er Jahren fielen unter dem NS-Regime auch theaterpädagogische Aktivitäten der vollständigen Gleichschaltung des Kunst- und Kulturbetriebs zum Opfer. Während in der DDR bereits in der Aufbauphase nach dem 2. Weltkrieg an kultur-, spiel- und theaterpädagogische Traditionen angeknüpft wurde, kam es in der BRD erst infolge der antiautoritären Protestbewegungen in den 60er Jahren und unter der kulturpolitischen Forderung einer „Kultur für alle" in den 70er Jahren zu einer Wiederbelebung theaterpädagogischer Arbeitsweisen.

Es waren zunächst die freien Theater, die vor allem im Rahmen des bundesweiten Modellversuchs „Künstler in den Schulen" damit begannen, systematisch mit ihrem jungen Publikum spiel- und theaterpädagogisch zu arbeiten: In Schultheater-Projekten genauso wie in der praktisch-künstlerischen Vorbereitung junger Menschen auf ihre Rolle als Theater-Besucher.
Besorgt um ihren Publikumsnachwuchs zogen die öffentlichen Theater rund zehn Jahre später nach und begannen vermehrt, Pädagog*innen zu engagieren, um über den Ausbau und die Pflege von Schul- und Lehrerkontakten ein junges Publikum ans Theater heranzuführen. Das Aufgabenspektrum erweiterte sich in den Folgejahren: Die praktische künstlerische Arbeit mit Jugendlichen in Jugendclubs sowie Lehrerfortbildung als Multiplikatorenarbeit kamen hinzu. Heute - gut 35 Jahre nach seiner Entstehung - ist der Beruf des Theaterpädagogen / der Theaterpädagogin nicht nur an öffentlichen Theatern voll etabliert.
Auch im schulischen Bereich blieb diese Entwicklung nicht folgenlos: In den meisten Bundesländern bieten Schulen inzwischen das Fach Darstellendes Spiel bzw. Theater als gleichberechtigtes künstlerisches Fach neben Bildender Kunst und Musik an. Und es setzt sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass das Fach Theater in hohem Maße auch weit über sich selbst hinaus reichende Fähigkeiten fördert - handlungsorientiert und lebensnah: ästhetische Bildung, Sach- und Methodenkompetenz, kommunikative und soziale Fähigkeiten sowie Kreativität.
Parallel dazu entfaltete sich in der freien Szene eine Vielfalt von theaterpädagogischen Angeboten: Das Spektrum reicht hier von der Entwicklung freier Theater-Projekte über die Zusammenarbeit mit Amateur- und Schultheatergruppen hin zu sozialpädagogischen Projekten. Hier hat sich das Theaterspielen als ein hervorragendes Mittel zur Entwicklung sozialer und kommunikativer Kompetenzen bewährt.
Auch die Wirtschaft hat inzwischen das Potential der Theaterpädagogik für die Fortbildung ihrer Mitarbeiter*innen und die Persönlichkeitsbildung ihrer Auszubildenden entdeckt. Theaterpädagogische Seminare zu Teamcoaching, Motivationstraining, Handlungskompetenz sowie Rhetorik und Körpersprache sind inzwischen sehr gefragt.

TheaterRaumMainz bietet Theaterpädagogik in ihrer ganzen Vielfalt an. Dank sehr unterschiedlicher Werdegänge und Kompetenzen der im TheaterRaumMainz tätigen Theaterpädagoginnen sind wir in der Lage, auf Ihre ganz speziellen Wünsche und Ziele einzugehen.