Netzwerk freier Theaterpädagog*innen


Presse

Zeitschrift für Theaterpädagogik, April 2015 - Es geht ums Ganze – Theaterarbeit all inclusive (Bericht von der Tagung am 13.09.2014)
Allgemeine Zeitung Mainz, 15.09.2014 - Wenn Shakespeare interpretiert wird

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.09.2014 - Grenzen in den Köpfen
Allgemeine Zeitung Mainz, 24.05.2013 - Die Kreativität frei laufen lassen
Mainzer Rhein Zeitung, 17.8.2012 - Freie Kultur scheitert an hohen Mieten
Mainzer Wochenblatt, 29.3.2012 - Vorhang auf für rasante Gespräche
Allgemeine Zeitung Mainz, 27.3.2012 - Mehr Platz für gute Ideen
Pressemitteilung, 22.3.2012 - Erstes TheaterRaumMainz-Treffen im Franfurter Hof
SWR2 – Journal am Mittag, 26.11.2011
Mainzer Wochenblatt, 3.11.2011 – Netzwerk „TheaterRaumMainz“ gegründet
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1.11.2011 – Mainzer Netzwerk Theaterpädagogik
Mainzer Rhein Zeitung, 28.10.2011 – Die Kulturszene rückt zusammen
Allgemeine Zeitung Mainz, 28.10.2011 – Dem Theater Raum in der Stadt geben 


Zeitschrift für Theaterpädagogik, April 2015

Es geht ums Ganze - Theaterarbeit all inclusive

von Walburg Schwenke

Im Rahmen des 16. Theaterfestivals „Grenzenlos Kultur" (1) in Mainz veranstalteten der Bundesverband Theaterpädagogik (BuT)/Region Rheinland-Pfalz und TheaterRaumMainz am 13. September 2014 gemeinsam eine Fachtagung, die zum Ziel hatte, die Herausforderungen inklusiver Theaterarbeit praxisnah zu beleuchten.

Das ebenso abwechslungsreiche wie anspruchsvolle Programm aus Vortrag, Aufführung, Workshops, Gesprächen und Diskussionen lockte weit mehr Teilnehmer_innen ins Kulturzentrum Mainz (KUZ) als die Veranstalter_innen erwartet hatten: Über 90 Fachleute aus Theater, Pädagogik und Alltag – ohne und mit Behinderung – waren angereist, um gemeinsam zu erforschen, was das ist und was das sein kann: inklusive Theaterarbeit.

Andreas Meder, Begründer und Leiter des Festivals „Grenzenlos Kultur", stellte der Fachtagung nicht nur ausreichend Raum zur Verfügung, sondern leistete gewissermaßen „Geburtshilfe" bei dieser erstmals stattfindenden Veranstaltung – sowohl organisatorisch als auch inhaltlich.

Das Ganze hört zu: Inklusion – Was ist das?

Gisela Höhne, frisch gekürte Neuberin-Preisträgerin und seit 25 Jahren Leiterin des europaweit gefeierten Theaters Ramba Zamba in Berlin, sowie Festivalleiter Andreas Meder konfrontierten die Tagungsteilnehmer in einer Mischung aus Vortrag und Gespräch unmittelbar mit den Problematiken, die im Thema inklusive Theaterarbeit stecken:

· Ein latentes Definitions-Defizit:
Trotz massiver öffentlicher Kampagnen zum Thema weiß man immer noch nicht, was das genau ist: Inklusion. Was in der Praxis sofort spür- und greifbar ist, ist theoretisch noch nicht formuliert.

· Assimilation statt Diversität:
In den Schulen, die sich dem Gedanken der Inklusion öffnen, wird – das ist dem System geschuldet – noch überwiegend darauf hingearbeitet, dass behinderte Menschen sich, unterstützt von Fachleuten, anpassen. Dagegen grenzt Gisela Höhne die Theaterarbeit von „Ramba Zamba" ab als einen Ort, an dem man mit behinderten Menschen Kunst machen könne ohne Anpassung an ein bereits vorhandenes System. Vielmehr werde das System, in dem man zusammen arbeitet, auf diejenigen zugeschnitten, die darin agieren. Ihre Schlussfolgerung: Inklusion setze voraus, dass Arbeitsbedingungen und Maßstäbe auf die am stärksten Benachteiligten (bei „Ramba Zamba" sind dies geistig behinderte Menschen) zugeschnitten werden.

· Minderheiten-Problematik:
Für einen behinderten Schauspieler ist es ebenso schwer in einem Ensemble nichtbehinderter Schauspieler zu bestehen wie für einen nichtbehinderten in einem Theater wie „Ramba Zamba". Letzteres sei aber – aufgrund der flexibleren Strukturen – in einem freien Theater ein einfacherer Schritt in Richtung Inklusion als die Avancen, die Stadttheater behinderten Künstler_innen machen seit Inklusion nicht nur gesellschaftsfähig, sondern „angesagt" ist.

· Der Behinderte als Exot:
Mit dieser Gefahr muss sich gerade Theater bewusst auseinandersetzen, lauert sie doch latent in der Versuchung, „illustrativ" zu besetzen (was ja abgeschwächt auch in Bezug auf nichtbehinderte Schauspieler_innen gilt).

· Professionelle inklusive Zusammenarbeit:
Sie zeichnet sich durch Begegnung auf Augenhöhe aus, und zwar nicht nur der Schauspieler_innen untereinander, sondern auch in Bezug auf alle Theater-Bereiche.

Am Ende dieser einleitenden Reflexionen und vor dem Hintergrund der starken öffentlichen Aufmerksamkeit für das Thema Inklusion „orakelte" Andreas Meder optimistisch: „Trotz aller Schwierigkeiten, die noch zu bewältigen sind: Die Situation ist günstig."

Das Ganze schaut zu: „Rosa sieht rot"

Ohne Worte, aber mit großer Klarheit zeigte die musikalisch und tänzerisch bestechende Choreografie der Tänzerinnen Neele Buchholz und Corinna Mindt von der tanzbar_bremen, was inklusives Theater ist und was es künstlerisch hervorbringen kann.

Zwei Frauen begegnen sich zufällig. Lieblich wild die eine, fordernd rot die andere ziehen sie mit ihren Koffern umher – Fernweh? Hin und her gerissen zwischen Liebe und Verwirrung, Lust und Angst, Mut und Zweifel, stoßen sie sich ab und ziehen sich an. Neugier und Kraft treiben die beiden immer mehr in ein Spiel, einen Tanz miteinander. Sie kommen bei sich an und stürzen sich zusammen ins Leben.

Mit großer Eindringlichkeit vollzieht sich die Kommunikation zwischen den beiden so ähnlichen – rosa und rot – und doch so gegensätzlichen Figuren, der mädchenhaften und der Powerfrau. Das spiegelt sich in ihrem Tanz, der zwischen Aggressivität und Zärtlichkeit mit allen Beziehungs-Registern spielt. Darüber vermittelt sich zugleich die große Lust am Ausprobieren, die sich unmittelbar auf den Zuschauer überträgt: Man bekommt nicht genug von den tänzerisch-musikalischen Auslotungen zwischen den beiden starken Frauen und ist fast ein wenig enttäuscht, wenn sie am Ende fröhlich mit ihren Rollkoffern von der Bühne verschwinden, wüsste man doch zu gern, was die beiden weiter treiben.

Das Ganze in Bewegung: Workshops für alle

In vier unterschiedlichen Workshops konnten die Tagungsteilnehmer_innen erforschen, was inklusive Theaterarbeit ganz praktisch bedeutet. Die Versuchung, Inklusion als Einbahnstraße (Nichtbehinderte integrieren Behinderte) zu missverstehen, war dabei von vornherein ausgeschlossen – die vielen Theaterbegeisterten mit Behinderung, die zur Tagung angereist waren und sich aktiv in die Workshops einbrachten (ca. 25 % der Teilnehmer), machten es möglich.

· Große Themen
Gisela Höhne bot den Teilnehmer_innen einen Einstieg in ‚große' Themen wie Macht, Liebe, Verrat, Hoffnung über Körperbewegung und Gebärdensprache, der in Bewegungschoreografien und Interaktionen im Raum mündete.

· Körper
Körperarbeit stand selbstredend auch im Vordergrund des Workshops, den die beiden Tänzerinnen Corinna Mindt und Neele Buchholz gemeinsam – und in dem Fall absolut inklusiv – anboten. Ihr Leitmotiv: Den Körper aufwecken, entdecken und mit all seinen Möglichkeiten nutzen, um in Kontakt und ins Spiel miteinander zu kommen. So vorbereitet und füreinander geöffnet, ging es anschießend an die Bearbeitung handfester bewegter, tänzerischer Improvisationsaufgaben.

· Raum
Bei Thomas Aye, Theaterpädagoge, Autor und Dozent für Kunst und Spiel an der FH für Sozialpädagogik in Berlin, konnte man Räume erkunden, neu erschließen und als Basis performativen Arbeitens nutzen. Nach gemeinsamen Ortserkundungen unter Anleitung ihres Spielleiters hatten sich die Teilnehmer_innen relativ schnell selbständig gemacht und sich Orte im öffentlichen Raum für kleine überraschende Performances angeeignet. U. a. entdeckte eine der Arbeitsgruppen die Anziehungskraft und Vorzüge einer öffentlichen Telefonzelle gegenüber dem Handy und bewies, dass diese auch bis zu zehn Menschen gleichzeitig Raum bietet.

· Sprache
Den Beweis, dass Menschen mit Down-Syndrom – entgegen der gängigen Lehrmeinung – lesen und schreiben können, hat Katja de Bragança bereits 1998 erbracht, als sie in Bonn das Magazin „Ohrenkuss" startete. „Alle zwei Wochen treffen sich dort die etwa 20 Autoren zur Redaktionssitzung. Viele schreiben selbst – per Hand, auf der Schreibmaschine oder auf dem Computer, manchmal diktieren sie auch. So wie es für sie am leichtesten ist. [...] Über fast alles haben die Autorinnen und Autoren von Ohrenkuss schon einmal geschrieben: über die Liebe, die Mongolei, Ohrwürmer, das Unsichtbare und über den ewigen Konflikt zwischen Männern und Frauen. [...] Menschen mit Down-Syndrom schreiben in Ohrenkuss über das, was sie bewegt, verleihen ihren Gefühlen Worte, teilen ihre Sicht der Welt den Lesern mit." (2) In ihrem Workshop berichtete Katja de Bragança über die Kommunikation innerhalb des Teams von „Ohrenkuss" und machte mit den Erfordernissen der sogenannten ‚Leichten Sprache' vertraut. Diese konnten die Workshop-Teilnehmer_innen in einer Schreibwerkstatt unmittelbar erproben und erfahren.

Das Ganze in der Runde: „Der Tag war super exklusiv!"

Mit diesem begeisterten Statement eines Mitglieds von „Ohrenkuss" endete die abschließende Expertenrunde, die nicht als klassische Podiumsdiskussion unter wenigen Expert_innen angelegt war, sondern als offenes Podium allen Tagungs-Teilnehmer_innen Gelegenheit bot, sich in die theoretische Reflexion des Tagungsthemas einzubringen. Angesichts der zahlreichen Expert_innen, die diese Tagung besuchten und zu ihrem Gelingen beitrugen, hatte Moderator Georg Kasch (Journalist, u. a. nachtkritik.de) alle Hände voll zu tun, die spannenden Fragen und Statements zu bündeln, die an dieser Stelle nur angerissen werden können:

· „Als Tanzkollegin habe ich dich lieb."
Auf die Frage, ob Inklusion mehr eine Sache der Praxis als des Brandings sei, erläuterten Corinna Mindt und Neele Buchholz ihre Arbeitsweise: Ebenso wie in ihrem Tanz-Stück „Rosa sieht Rot" bestehe auch ihr gemeinsamer Arbeitsprozess aus einem Wechsel von Impuls und Reaktion. Die Unterschiede zwischen behinderter und nicht-behinderter Kollegin, so die beiden Tänzerinnen, heben sich im Tanz auf. Voraussetzung dafür sei freilich, dass man sich ganz aufeinander einlässt. Neele Bucholz drückt diesen Sachverhalt auf ihre Art und äußerst präzise aus: „Als Tanzkollegin habe ich dich lieb."

· „Der Franz kann zwar nicht sprechen, aber sich riesig freuen."
Auf die Frage, ob ihre Theaterarbeit für sie eher Sozialpädagogik oder Kunst sei, antworten die Mitglieder des „Theaters mittendrin" aus Leichlingen einstimmig mit Kunst. Denn das sei es, was sie verbindet. Nachgefragt, ob es Grenzen bei der künstlerischen Arbeit gäbe, fällt die Antwort ebenso eindeutig aus: ausschließlich finanzielle. Das sehen auch die „Sommersprossen", eine 13köpfige Theatergruppe aus Landau, so: Eigentlich gäbe es für sie keine Grenzen, vielmehr werde das ganz unterschiedliche Potential der Mitspieler_innen genutzt; so könne der Franz zwar nicht sprechen, aber sich riesig freuen.

· Inklusion und Grenzen
Mit dem Hinweis darauf, dass man einmal fragen sollte, ob es sich um Grenzen nur von einer Seite handelt oder ob sie nicht beiderseits vorhanden sind, ist die Problematik der Grenzen zwischen behinderten und nichtbehinderten Akteur_innen keineswegs geklärt.

Während beispielsweise die inklusiv arbeitende Theatergruppe der Werkstätten für behinderte Menschen (WFB) Nieder-Olm die Freude am Spiel, das Zusammenarbeiten mit anderen und die Bereicherung durch das Eintauchen in fremde Rollen hervorhebt, stößt die inklusive Theaterarbeit des Jungen Schauspiels Frankfurt immer wieder an die Grenzen der etablierten Institution Stadttheater.

Wenn eingangs von einem latenten Definitions-Defizit in Bezug auf Inklusion die Rede war, so hat das nichtsdestoweniger spannende und anregende Abschluss-Gespräch diese Einschätzung bestätigt. Bei aller begeisterten und begeisternden Umsetzung in der Praxis steht eine umfassende Debatte zur Theoriebildung an. Und so hoffen die Organisator_innen dieser ersten Fachtagung zum Thema inklusive Theaterarbeit auf eine Fortsetzung ganz in diesem Sinne.

1) Als erstes Festival für Kunst von Menschen mit geistiger Behinderung im deutschsprachigen Raum startete ‚Grenzenlos Kultur' 1997 im Kulturzentrum Mainz (KUZ). Veranstaltet von der Lebenshilfe gGmbH Kunst und Kultur und unter der Leitung von Andreas Meder entwickelte sich das Festival zu einer Plattform für ungewöhnliche, oft experimentelle, immer auch gesellschaftspolitisch motivierte Kunst- und Theaterformen und macht längst weit über die regionalen Grenzen hinaus von sich reden.

2) Zit. nach: ohrenkuss ...da rein, da raus (Info-Heft)


Allgemeine Zeitung Mainz, 15.09.2014

Wenn Shakespeare interpretiert wird
INKLUSION Probleme und Perspektiven der Theaterarbeit mit Behinderten diskutiert

von Felix Lieb

MAINZ. „Es soll keine Podiumsdiskussion im üblichen Sinne sein". Als sich die Verantwortlichen zum Abschluss der theaterpädagogischen Tagung „Es geht ums Ganze – Theaterarbeit all inclusive" im KUZ vor die Teilnehmer stellten, verzichteten sie auf eine festgelegte Riege von Experten, die, auf Stühlen sitzend, über die Probleme und Perspektiven inklusiver Theaterarbeit diskutierten. Als Sitzfläche diente die Kante einer kleinen Theaterbühne, auf die all jene geholt wurden, die sich zu dem Thema äußern und ihre Erfahrungen den anderen mitteilen wollten.

Handlungsweisen erprobt

Einen ganzen Tag lang hatten sich Theatergruppen, Behinderte und Nichtbehinderte zusammengesetzt, hatten in Workshops Möglichkeiten, Handlungsweisen und Techniken innerhalb inklusiver Theaterarbeit erprobt und entwickelt. Der Aufbruch von Konventionen, der im Theater im Allgemeinen gerne gepredigt wird, erweist sich in der Bühnenarbeit mit behinderten Menschen als hilfreich und notwendig. Welch spannende Projekte dabei entstehen können, zeigten Neele Buchholz und Corinna Mindt von der Tanzbar Bremen am Morgen in ihrer Aufführung „Rosa sieht Rot", in der zwei Koffer in den Mittelpunkt eines faszinierenden Balletts aus Synchronität und Dynamik avancierten. Im anschließenden Workshop rückten Mindt und Buchholz dann auch den Körper ins Blickfeld, während Thomas Aye aus Berlin mit den Teilnehmern den Raum als kreative Grundlage erarbeitete und Katja de Bragança sich mit der Sprache beschäftigte.

Zeitintensiver Prozess

„Gibt es Grenzen in der Theaterarbeit mit behinderten Menschen?" In der von Georg Kasch geleiteten Diskussion stand jene Frage immer wieder im Raum. Gerade in der Theaterarbeit mit Behinderten komme es darauf an, mit der Verschiedenheit des anderen umzugehen und diese dann für das Projekt zu nutzen,erklärte Corinna Mindt. Das erfordere im Vergleich zu anderen Produktionen einen nicht selten langwierigeren und zeitintensiveren Prozess. Insgesamt ginge es darum, so heißt es an anderer Stelle, die Potenziale der Teilnehmer in die jeweiligen Bestandteile eines Stücks einzubinden, auch wenn das heißt, dass Shakespeare variiert und neu interpretiert wird und gleichzeitig eine andere Herangehensweise an die Projekte eingefordert wird. Immer wieder stoße man auf Hürden. Dann müsse man sich allerdings entscheiden, ob man diese als Grenzen oder als Türen zu etwas Neuem betrachtet.


Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.09.2014

Grenzen in den Köpfen
Geht doch: Tagung zu inklusivem Theater in Mainz

von Denise Frommeyer

Schon der Flyer zur inklusiven Tagung "Es geht ums Ganze" zeigt, wie wichtig den Organisatoren das Thema ist: Auf der einen Seite ist die rosafarbene Broschüre in "normaler", auf der anderen in leichter Sprache bedruckt. Zum ersten Mal fand die Fachtagung nun im Mainzer Kulturzentrum statt. Organisatorin Nadja Blickle sieht darin eine Ergänzung zum Theaterfestival "Grenzenlos Kultur".

In Gesprächen und Workshops tauschten sich Theaterpädagogen und Schauspieler aus ganz Deutschland über ihre Arbeit und Ansichten zur Inklusion im Theater aus. Ein Problem sei, dass sich nur wenige Behinderte professionelle Künstler nennen dürften. Der Zugang zum Beruf des Schauspielers sei sehr eingeschränkt, berichtet Blickle. "Die Behinderten spielen in Laienspielgruppen der Lebenshilfen und Werkstätten. Oft werden sie kaum von der Öffentlichkeit wahrgenommen." Festivalleiter Andreas Meder erhofft sich ein inklusives Theater für die Region. Momentan sollten aber erst die lokalen Gruppen gefördert werden.

Wie Inklusion in der Praxis funktioniert, zeigte das Duo des Kollektivs "Tanzbar Bremen". In ihrem Stück "Rosa sieht Rot" stellten die beiden Tänzerinnen Neele Buchholz und Corinna Mindt die Reise zweier Frauen zu sich selbst dar. Liebe und Lust wechseln sich mit Wut, Angst und Zweifeln ab. Sowohl in der Bewegung als auch in den Gesichtszügen der Tänzerinnen werden diese Emotionen deutlich. Buchholz hat Trisomie 21 und tanzt seit 2010 mit Mindt. In einem engen roten Kleid und mit rosafarbener Sonnenbrille schwebte sie über die Tanzfläche, nicht ohne mit kokettem Blick die Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. lhre Freude und tiefe Verbundenheit ließen die Unterschiede zwischen den beiden Tänzerinnen schnell vergessen. Darauf komme es bei Inklusion auch an, sagte Mindt.

In den Workshops lernten die Teilnehmer dann, wie sie mit Raum, Sprache und Bewegung neue Impulse für ihre Stücke schaffen können. Theaterpädagoge Thomas Aye leitete den Workshop zum Thema Raum und wie man ihn für ein Stück nutzen kann. Er war sichtlich erfreut über den Verlauf des Tages. "Ich habe ein paar Impulse gegeben, die Kreativität kam dann von ganz alleine, es war einfach toll." Auch die drei weiteren Leiter waren zufrieden und lobten das Engagement der Gruppen. Sie hätte nur gerne etwas mehr Zeit gehabt, sagte Gisela Höhne vom Berliner Theater "Rambazamba", das seit vielen Jahren als Vorbild für Theatergruppen in ganz Deutschland gilt. "Dafür war es aber auf jeden Fall inklusiv."

Die Tagung wurde in einem offenen Gespräch reflektiert, bei dem alle Teilnehmer zu Wort kamen; unter ihnen auch behinderte und nichtbehinderte Schauspieler des Jungen Schauspiels Frankfurt. Es sei kein festes inklusives Ensemble, sondern mehr eine Projektarbeit, sagte Leiterin Martina Droste. Mit ihren Stücken wollten sie den Zuschauer zum Nachdenken über sich selbst und die Gesellschaft anregen. "Wir wollen auf keinen Fall aus Laien professionelle Schauspieler machen, sondern einfach Spaß am Theatermachen haben." Beim inklusiven Theater gebe es nahezu keine Grenze, so eine Teilnehmerin: "Die einzigen Grenzen liegen in den Finanzen und in den Köpfen der Zuschauer."

Das Theaterfestival "Grenzenlos Kultur" findet noch bis zum 27. September statt. Weitere Informationen unter www.grenzenlos-kultur.de. 


Allgemeine Zeitung Mainz, 24.05.2013

Die Kreativität frei laufen lassen
Initiative „Theaterraum Mainz" bietet Workshops rund ums darstellende Spiel

von Lisa Maucher

Als freiberuflicher Theaterpädagoge muss man ein Einzelkämpfer sein", erzählt Heike Mayer-Netscher, die 2011 mit sechs anderen Frauen die Initiative „Theaterraum Mainz" gegründet hat, um sich auszutauschen. Mithilfe dieser Frauen werden Workshops und Projekte an Schulen, in Kleinbetrieben, in Großbetrieben oder auch Privatveranstaltungen auf die Beine gestellt, die neben Spaß auch anderes bieten: „Kürzlich habe ich zum Beispiel einen Selbstdarstellungsworkshop durchgeführt. Die Leute haben dort gelernt, wie sie mit Lampenfieber umgehen oder wie sie die Aufmerksamkeit anderer beim Sprechen auf sich ziehen", erklärt Sibylle Brandl.

In Mainz gab es vor ihnen keine Anlaufstelle für freie Theaterpädagogen, und diese Lücke wollten sie auf eigene Faust schließen. „Mainz fehlt ein ordentliches Kulturzentrum", sind sich alle einig. Das Ziel der Initiative ist, nicht nur den Spieltrieb zu befriedigen, sondern auch Sprechmöglichkeiten zu verfeinern und die Wahrnehmung gegenüber darstellerischer Kunst zu schärfen. Kurzum: den Horizont zu erweitern.

„Erwachsene trauen sich in der Gruppe manchmal nicht, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen, weil sie in den Kategorien falsch und richtig denken", beobachtet Walburg Schwenke, die neben ihrer Tätigkeit als freie Theaterpädagogin einen halben Lehrauftrag hat. Im Allgemeinen helfen diese Frauen also, Hemmschwellen zu überwinden, und das auf eine spielerische Art und Weise.

Obwohl dieser Beruf alleine (für den man Unterschiedliches studiert haben kann) nicht reich mache, so mache er dennoch glücklich. „Wir haben kein Geld", sagt Schwenke, „aber dafür haben wir Fantasie. Und die Not ist fruchtbar." Nadja Blickle, die vor allem mit Jugendlichen zusammenarbeitet, ist sich sicher, dass Kunst eine positive Wirkung hat: „Wir sind zwar alle keine Therapeutinnen, aber unsere Arbeit hat sehr wohl einen therapeutischen Effekt."

Durch die unterschiedlichen Werdegänge und Kompetenzen der sechs Frauen, können sie eine breite Palette an Kreativität bieten. Jeder kann an sie herantreten und aus einer kleinen Idee kann etwas ganz Großes in der Gruppe werden. „Da uns oft keine typischen Theaterräume zur Verfügung stehen, haben wir gelernt, weg von der Idealvorstellung und hin zur Innovation zu gehen", erklärt Mayer-Netzscher und lächelt entspannt.


Mainzer Rhein Zeitung, 17.8.2012

Freie Kultur scheitert an hohen Mieten

Mainz. Mehr Raum für die freie Kulturszene! Was die Hausbesetzer in der Oberen Austraße jetzt sehr öffentlich wirksam fordern, dafür kämpfen viele freie Initiativen schon seit Jahren vergeblich. Die MRZ hörte sich bei ihnen um. Das Fazit: Vor allem die hohen Mieten in der Innenstadt machen eine unkommerzielle Kulturarbeit schwierig, teils unmöglich, sagen Künstler, Kreative und Kulturschaffende aller Couleur. Die meisten Vereine und Gruppen müssten sowieso mit Mini-Budgets auskommen, da sei eine hohe Miete nicht zu stemmen.
Nach Ansicht von Andreas Fitza, Vorsitzender des Peng-Vereins, ist die freie Kulturszene in der Stadt permanent gefährdet. "Da das Hauptproblem vieler Vereine und Gruppen stets die Raumnot ist, bleibt für inhaltliches Arbeiten kaum mehr Kapazität", so Fitza. Neben den hohen Mieten ist für Fitza ein weiteres Problem, dass nur wenige Vermieter bereit seien, kurzfristige und übergangsmäßige Mietverhältnisse einzugehen.
Der Peng-Verein ist seit seiner Gründung bereits mehrmals umgezogen. Nach langer Suche zu Beginn des Jahres haben die Peng-Leute nun ein vorübergehendes Domizil in der Martinsstraße. Neben dem Peng-Verein ist auch die Buchkinderwerkstatt unter dem Dach des Kunstvereins Eisenturm auf Raumsuche. Die Räume an der Mombacher Straße, in denen die kulturpädagogische Einrichtung seit mehr als drei Jahren zu Hause ist, müssen Ende des Jahres geräumt sein. "Wir wissen nicht, ob und wie es weiter geht", sagt Otto Martin, Vorsitzender des Kunstvereins Eisenturm. "Die Räume in der Innenstadt sind so teuer, dass man sie eigentlich nur gewerblich nutzen kann. Da hat man als Kulturschaffender keine Chance."
Ebenfalls ohne Raum steht das Atelier Zukunft (ehemals Binger Straße) da, die Zukunft des unkommerziellen Zentrums Haus Mainusch auf dem Campus ist unsicher (wir berichteten), das Netzwerk freier Theaterpädagogen sucht Probenräume genauso wie der erst kürzlich gegründete Verein Mainzer Tanzkunst, der unter anderem die Mainzer Tanztage organisiert.
Nadja Blickle ist freie Theaterpädagogin und genauso wie ihre Mitstreiter vom Netzwerk Theaterraum ständig auf der Suche nach Räumen, die man für Proben und Workshops nutzen kann. "Es wäre einfach schön, wenn es hier in Mainz einen Raum gäbe, wo theaterpädagogische Projekte möglich sind. So ein kulturelles Zentrum wäre für die Stadt ziemlich wichtig", findet sie.
Genauso sieht es Nic Schmitt vom Performance Art Depot (PAD) in der Leibnizstraße. "Es wäre super, wenn viele Kulturleute unter einem Dach arbeiten könnten. Davon profitieren Künstler und Zuschauer: Wer etwa zum Kindertheater kommt, schaut dann vielleicht noch die Ausstellung im Nebenraum an."


Mainzer Wochenblatt, 29.3.2012

Vorhang auf für rasante Gespräche

TheaterRaumMainz: Netzwerk freier Theaterpädagogen fördert Austausch und Zusammenarbeit

Mainz (sba) – Rund zwanzig Teilnehmer hatten sich zum ersten TheaterRaumMainz-Treffen im Frankfurter Hof am 22. März angemeldet, doch es mussten noch Stühle dazugestellt werden. Über vierzig Schauspielfreunde gaben sich ein Stelldichein bei der von den Theaterpädagoginnen Verena Gerlach, Heike Mayer-Netscher, Sibylle Brandl, Ulrike Rissel, Nadja Blickle, Walburg Schwenke und Angie Weiner initiierten Veranstaltung. Das erklärte Ziel der Gründerinnen, die, wie Nadja Blickle betont, „auch offen für Männer“ sind, ist es, das Netzwerk für Theaterpädagogik in Mainz und Umgebung zu erweitern und weitere Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen.

„Immer wenn ich erzähle, ich bin Theaterpädagogin und mache Workshops für Schüler und Lehrer, dann sagen die Leute: Toll! Und was machst Du beruflich?“, berichtete Heike Mayer-Netscher schmunzelnd. Hier schien dringend Aufklärung vonnöten, und sie fand bald Gleichgesinnte, die sich durch unterschiedliche Schwerpunkte (Zirkuspädagogik, Regie, Lehrtätigkeit am Gymnasium, generationsübergreifendes Theater...) perfekt ergänzen.

Gemeinsam gelang es ihnen, Kulturdezernentin Marianne Grosse von ihrer Idee zu überzeugen, deren Dezernat den Raum für die Tagung kostenlos zur Verfügung gestellt hatte. Zwei Minuten Zeit hatten die Teilnehmer, um einen Eindruck von ihrem Gegenüber zu bekommen. Dann wurde gewechselt. Andreas Mach, künstlerischer Leiter der Schauspielschule Mainz, bricht eine Lanze für eine solide Ausbildung; Volker Bierwirth, kaufmännischer Geschäftsführer des Staatstheaters Mainz, will die Berührungsängste zwischen etablierter und freier Kunst überwinden. Verena Hilpeh vom Institut für elementare Musikerziehung ist auf der Suche nach neuen Ideen, die Frankfurter Bühnenbildnerin Julia Gerlach entwickelt Konzepte im musealen Bereich, Markus Dörr-Karolus studiert noch und inszeniert derzeit ein Dreipersonenstück um ein homosexuelles Paar, das ein Kind adoptiert, für die Karl-Zuckmayr-Geselschaft.

Die Lehrerinnen Petra Barth und Susanne Böswald sind vor allem an der Vor- und Nachbereitung von Theaterbesuchen mit ihren Klassen interessiert. Dominik Memmel hat Probleme im Angebot, die er bisher gut gelaunt auf Festivals verkauft hat. Nun hofft er seine „Problemberatungsstelle“ bald zu institutionalisieren. Manuela Pirozzi, freischaffende Bühnenbildnerin, träumt davon, eines Tages am Mainzer Staatstheater zu arbeiten. Ob sie an diesem Abend ihrem Traum ein Stück näher gekommen ist?


Allgemeine Zeitung Mainz, 27.3.2012

Mehr Platz für gute Ideen

„TheaterRaumMainz“ Kulturschaffende tauschen sich bei Treffen im Frankfurter Hof aus

Mainz (avc.) „Es ist immer sehr gut, wenn man Stühle hinzu stellen muss“, meint Kulturdezernentin Marianne Grosse zu Beginn der Veranstaltung, als sich in den Räumlichkeiten des Frankfurter Hofes immer mehr Menschen einfinden. Mittlerweile tragen knapp 30 interessierte Personen ihre Schildchen, auf denen Name und Institutionen wie etwa „Junge Bühne Mainz“ oder „Staatstheater“ stehen.

An einem Ort, der sonst kulturellen Veranstaltungen vorbehalten ist, trafen sich erstmals viele Kulturschaffende. Neben Theaterpädagogen, Freiberuflern und Auftraggebern fanden sich so auch einige Theaterschaffende aus der freien Szene in Mainz ein, um sich auszutauschen und Erfahrungen weiterzugeben. Die Idee, welche von sieben Theaterpädagoginnen bei einem Stammtisch in Frankfurt geboren wurde, nennt sich „TheaterRaumMainz“, ein Netzwerk, in dem Kreativität und neue Ideen frei gesetzt werden können. Weil der Beruf des Theaterpädagogen noch relativ unbekannt ist, Auftraggeber oft nicht wissen, an welche Adresse sie sich wenden sollen und viele Workshops für Kinder und Jugendliche zwar angeboten werden, jedoch nur schwer zu finden sind, beschloss das Kollektiv um Heike Mayer-Netscher die Initiative zu ergreifen und der Theaterszene in Mainz „mehr Raum zu geben“.

Auch das Kulturdezernat begrüßt den Vorschlag, als die Frauen im Oktober bei einem Gespräch mit Dezernentin Marianne Grosse ihr Netzwerk präsentierten und sitzt nun auch im Boot. Da Kulturentwicklung- und -vermittlung wichtig sei und das Netzwerk eine tolle Möglichkeit biete Theaterschaffende unterschiedlicher Couleur an „einen Tisch zu bekommen“, so Grosse.

Als dann das „Speed Dating“ beginnt, füllt sich der Raum erneut. Dieses Mal allerdings sind es keine Menschen, sondern Ideen, Projekte und Gespräche, die jetzt noch durch den Raum fliegen, jedoch mit Sicherheit auch bald auf Bühnen zu sehen sind. Der nächste „TheaterRaumMainz“-Stammtisch findet am Dienstag, 17. April, 19.30 Uhr, im Cafe am Gautor statt.


Erstes TheaterRaumMainz-Treffen im Frankfurter Hof (Pressemitteilung) 

Donnerstag, 22. März 2012

Netzwerk für Theaterpädagogik in Mainz und Umgebung soll erweitert werden

Am Donnerstag, den 22. März fand das erste „TheaterRaumMainz-Treffen" im Frankfurter Hof statt. Die sieben Gründerinnen (Nadja Blickle, Sibylle Brandl, Verena Gerlach, Heike Mayer-Netscher, Ulrike Rissel, Walburg Schwenke und Angie Weiner) präsentierten das Netzwerk freier Theaterpädagogen, das es seit Oktober 2011 gibt, erstmals einer breiten Öffentlichkeit.
In Zusammenarbeit mit dem Kulturdezernat der Stadt Mainz waren Theaterpädagogen, Theaterschaffende, sowie Lehrer und Verantwortliche aus den Bereichen Jugend, Kultur und Bildung zu dem Treffen eingeladen. Ziel der Veranstaltung war es, Kontakte untereinander herzustellen, bestehende Angebote bekannt zu machen und das Netzwerk zu erweitern.
Mit über 40 neugierigen Teilnehmern war der Presseraum des Frankfurter Hofs so gut gefüllt, dass noch eilig einige Stühle herbeigerückt werden mussten. Über die große Resonanz freuten sich die Veranstalterinnen genauso wie Kulturdezernentin Grosse, die das Treffen eröffnete.
„Gut funktionierende Netzwerke und Kooperationen sind für die Kulturarbeit von entscheidender Bedeutung", so Grosse. „Sie bringen Partner zusammen, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären, und setzen eine ungeheure Kreativität und neue Ideen frei." Deshalb begrüße und unterstütze sie die Initiative der freien Theaterpädagoginnen und wünsche dem Netzwerk viel Erfolg.
Der nächste Punkt auf der Tagesordnung war ein gemeinsames „Speed-Dating". Im 2-Minuten-Takt saßen sich Vertreterinnen der freien Theaterszene mit Kollegen des Staatstheaters, Bühnenbildnerinnen, Choreografinnen, Pädagogen und Schauspieler gegenüber und tauschten sich angeregt aus. So hatte jeder Teilnehmer innerhalb von 40 Minuten mit der Hälfte aller Anwesenden gesprochen. Ein gelungener Eisbrecher, denn im darauf folgenden Teil des Abends wurden diese Kontakte intensiviert, weitere Unbekannte angesprochen, Telefonnummern und Visitenkarten ausgetauscht, Projektideen besprochen und Berufsneulinge von „alten Hasen" beraten.
„Die Resonanz hat unsere Erwartungen mehr als erfüllt. Es ist, als hätte die Mainzer Theaterszene nur darauf gewartet, sich endlich zu vernetzen" so die Organisatorinnen. Das Netzwerk „TheaterRaumMainz" versteht sich als zentrale Anlaufstelle für Theaterpädagogik in Mainz und Umgebung.


SWR2 – Journal am Mittag, 26.11.2011

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Mainzer Wochenblatt, 3.11.2011

Netzwerk „TheaterRaumMainz“ gegründet

Arbeitsgruppe engagiert sich für Theaterpädagogik – Teil des Kulturentwicklungsplans für die Landeshauptstadt Mainz

TheaterRaumMainz heißt das neue Netzwerk freier Theaterpädagogen aus Mainz und Umgebung. Die sieben Gründerinnen, professionelle Theaterpädagoginnen aus Mainz, haben sich zusammen­getan, um einen unkomplizierten Zugang zu Theaterkursen, Workshops und Projekten in der Region zu ermöglichen.

Als Ansprechpartner für Schulen, Kindergärten, Kultur- und Freizeiteinrichtungen, Eltern, Amateurtheatergruppen, Unternehmen und andere Theaterinteressierte bietet TheaterRaumMainz erstmals eine zentrale Anlaufstelle für Theaterpädagogik in der Region.
Ob haupt- oder nebenberuflich als Theaterpädagogin tätig – alle sieben bieten nicht nur Seminare und Workshops für vielfältige Zielgruppen an, sie leiten ebenso eigene Theaterprojekte und -gruppen: Nadja Blickle ist Projektleiterin des internationalen Kinder- und Jugendtheater­festivals Rhein-Main „Starke Stücke“, Ulrike Rissel und Heike Mayer-Netscher leiten zusammen das generationsübergreifende Projekt „NeustadtGeschichten“ in der Mainzer Neustadt, Verena Gerlach gründete vor vier Jahren das Jugendtheaterensemble „Junge Bühne Mainz“, Sibylle Brandl ist Gründerin und Leiterin des freien Theaters ZWÖLFplusEINS, Walburg Schwenke arbeitete viele Jahre als Theaterpädagogin am Staatstheater Mainz sowie in der Lehrerfortbildung und Angie Weiner leitet den Theaterbereich der Kulturwerkstatt Waldalgesheim e. V.

Netzwerk für kulturelle Bildung
TheaterRaumMainz plant weitere Kontakte zu kulturpädagogisch tätigen Vereinen, Institutionen und Einzelpersonen zu knüpfen und somit ein Netzwerk für kulturelle Bildung in Mainz und Umgebung zu schaffen. Die Gründung von TheaterRaumMainz steht im Zusammenhang mit dem Kulturentwicklungsplan für die Landeshauptstadt Mainz. Mit ihrem Amtsantritt im vergangenen Jahr hat die Mainzer Kulturdezernentin Marianne Grosse den aufwändigen Prozess eines Kulturentwicklungsplanes angestoßen, der auf mehrere Jahre angelegt ist und möglichst viele Akteure des Mainzer Kulturlebens einbinden will. Nach einer Auftaktveranstaltung im vorigen Jahr und vorbereitenden organisatorischen Arbeiten nehmen nun die ersten Netzwerke ihre Arbeit auf – TheaterRaumMainz ist das zweite, das nun an die Öffentlichkeit tritt.
„Gut funktionierende Netzwerke und Kooperationen sind für jede künftige Kulturarbeit von entscheidender Bedeutung“, sagt Kulturdezernentin Marianne Grosse. „Sie bringen Partner zusammen, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären, und setzen eine ungeheure Kreativität und neue Ideen frei.“ Einer Stadt wie Mainz mangele es nicht an Kulturangeboten, im Gegenteil: „Wir sind stolz auf ein breites, qualitativ hochwertiges Kulturangebot und auf unsere renommierten, teils sehr traditionsreichen Kultureinrichtungen“, so Grosse.

Fokus Vermittlungsarbeit
„In der heutigen Informationsflut gelingt es uns häufig jedoch nicht, unsere Inhalte richtig zu transportieren.“ Deshalb habe man die Vermittlungsarbeit als Schwerpunkt für die Mainzer Kulturentwicklung identifiziert. „Ich freue mich sehr über die Gründung des theaterpädagogischen Netzwerks, weil es perfekt zu den vielfältigen Vermittlungsbemühungen in den anderen Sparten und Häusern passt. Ich gratuliere TheaterRaumMainz und freue mich auf die Zusammenarbeit.“
Neben dem neuen theaterpädagogischen Netzwerk engagiert sich auch eine Arbeitsgruppe der Mainzer Museumspädagogen um Vermittlungsprojekte. In diesem Jahr wurde bereits für Seniorinnen und Senioren die Reihe „Reif für Kultur“ in den vier großen Mainzer Museen aufgelegt, bald schon soll ein Angebot für Familien folgen.

Information
Auf der gemeinsamen Website www.theaterraummainz.net, die vor wenigen Tagen fertig gestellt wurde, stellen die Gründerinnen sich und ihre Projekte vor ().


Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1.11.2011

Mainzer Netzwerk Theaterpädagogik
von Eva-Maria Magel

Eine Arbeitsgruppe von Theaterpädagoginnen soll in Mainz jetzt an Stadt und Region mit Seminaren und Kursen unterstützen. Das Netzwerk „TheaterRaumMainz“ sei, so teilte Kulturdezernentin Marianna Grosse (SDP) mit, Teil ihres Kulturentwicklungsplanes für die Landeshauptstadt. Die sieben Theaterpädagoginnen sollen Ansprechpartnerinnen für Schulen, Kindergärten, Kultur- und Freizeiteinrichtungen, Eltern, Amateurtheatergruppen, Unternehmen und Theaterinteressierte sein. Nadja Blickle, die das internationale Kinder- und Jugendtheaterfestival „Starke Stücke“ kuratiert, Walburg Schwenke, lange Jahre für den Jugendclub des Staatstheaters Mainz zuständig, Ulrike Rissel und Heike Mayer-Netscher vom Projekt „Neustadt Geschichten“, Verena Gerlach vom Jugendtheaterensemble „Jungen Bühne Mainz“, Sibylle Brandl, Leiterin des freien Theaters „Zwöfpluseins“ und Angie Weiner von der Kulturwerkstatt Waldalgesheim sind auf einer gemeinsamen Internetplattform zu erreichen unter www.theaterraummainz.net. Sie können dort gebucht werden. Finanziell beteiligt sich das Kulturdezernat, das sich für seinen Entwicklungsplan Netzwerke verschrieben hat, nicht an dem neuen Team. Mainz mangele es nicht an Kulturangeboten, so Grosse, „in der heutigen Informationsflut gelingt es uns häufig jedoch nicht, unsere Inhalte richtig zu transportieren“. Deshalb konzentriert sich die neue Dezernentin auf die sogenannte Vermittlungsarbeit.


Mainzer Rhein Zeitung, 28.10.2011

Die Kulturszene rückt zusammen
von Andrea Wagenknecht

Austausch – Freie Initiativen schmieden starke Netzwerke: Theaterpädagogen machen den Anfang

Die Kulturschaffenden in Mainz sollen sich im Angesicht der prekären Haushaltssituation der Stadt stärker miteinander vernetzen. Ziel soll es nach Angabe von Kulturdezernentin Marianne Grosse sein, die Öffentlichkeit stärker über kulturelle Aktivitäten in Mainz zu informieren. Außerdem sollen Synergien geschaffen werden, [...]
Gerade die Netzwerkarbeit sei wichtig, findet Grosse, weil sich dabei Partner begegnen können, die sich sonst vielleicht nie getroffen hätten. Einen ersten Schritt in Sachen Netzwerkarbeit haben die Mainzer Theaterpädagogen gemacht. Unter dem Namen „TheaterRaumMainz“ haben sich sieben freiberufliche Theaterpädagogen zusammengeschlossen, um ihre Kompetenzen zu bündeln. Auf ihrer gerade erst erstellten Homepage www.theaterraummainz.net stellen sie ihre Aktivitäten vor. Schulen, Kindergärten oder Unternehmen können sich so unkompliziert etwa über Theaterkurse, Workshops und Projekte in der Region informieren. Langfristig soll aus dem Zusammenschluss ein großes Netzwerk für kulturelle Bildung in Mainz und Umgebung entstehen. [...]


Allgemeine Zeitung Mainz, 28.10.2011

Dem Theater Raum in der Stadt geben
von Michael Heinze

KULTURENTWICKLUNG - Netzwerk von Pädagoginnen  kümmert sich um die Vermittlung Darstellender Kunst

Mit „TheaterRaumMainz“ hat sich als Teil des städtischen Kulturentwicklungsplans ein neues Netzwerk gegründet, das sich für Theaterpädagogik engagiert. „Das passt perfekt zu den vielfältigen Vermittlungsbemühungen in den anderen Sparten und Häusern“, sagte Kulturdezernentin Marianne Grosse (SPD), der die Kulturentwicklung nach eigener Aussage sehr am Herzen“ liegt. „So kommen Partner zusammen, die sich sonst vielleicht niemals begegnet wären - und das setzt ungeheure Kreativität und neue Ideen frei. Ich freue mich ganz außerordentlich auf die Zusammenarbeit.“
Mit Grosses Amtsantritt hatte die Kulturverwaltung damit begonnen, einen Kulturentwicklungsplan für die Landeshauptstadt zu erstellen. Dieser Prozess, an dem viele Mainzer Kulturschaffende teilhaben sollen, ist aufwendig und deshalb auf einen Zeitraum von mehreren Jahren angelegt. Nach einer Auftaktveranstaltung im vorigen Jahr und den seitdem erfolgten organisatorischen Vorbereitungen hat sich nun also ein erstes Netzwerk gegründet, in dem sich sieben professionelle Theaterpädagoginnen zusammengefunden haben, die sich ab sofort um die Vermittlung von Darstellender Kunst in der Stadt kümmern. Ziel ist es, über Kurse, Workshops und Projekte einen unkomplizierten Zugang zum Medium Theater zu schaffen - und diese Zugänge zu institutionalisieren. Die Gruppe will Ansprechpartner sein für Schulen, Kindergärten, Kultur- und Freizeiteinrichtungen, Eltern, Amateurtheatergruppen und weitere Institutionen. „TheaterRaumMainz“ ist damit die erste zentrale, übergreifende Anlaufstelle für Theaterpädagogik in der Region.
„Wir haben uns zusammengetan, um uns und unseren Beruf bekannter zu machen und eine Anlaufstelle für Theaterpädagogen im Raum Mainz zu schaffen“, erläuterte Kulturwissenschaftlerin Nadja Blickle, die gemeinsam mit Ulrike Rissel, Heike Mayer-Netscher, Verena Gerlach, Sibylle Brandl, Walburg Schwenke und Angie Weiner zu den Gründerinnen von „TheaterRaumMainz“ zählt. „Wir kommen alle sieben aus ganz unterschiedlichen Bereichen, können deshalb eine große Vielfalt und Bandbreite abdecken.“ Der Name kommt laut Mayer-Netscher daher, „weil wir in Mainz Theater Raum geben wollen, in ganz vielen Bereichen“. Im Kulturamt habe man von Beginn an offene Türen vorgefunden.
In den Augen von Grosse sind gut funktionierende Netzwerke und Kooperationen „für jede künftige Kulturarbeit von entscheidender Bedeutung“. Einer Stadt wie Mainz mangele es nicht an Kulturangeboten. „Wir sind stolz auf ein breites, qualitativ hochwertiges Kulturangebot und auf unsere renommierten, teils sehr traditionsreichen Kultureinrichtungen.“ Doch in der heutigen Informationsflut gelinge es häufig nicht, „unsere Inhalte richtig zu transportieren“. Daher habe man die Vermittlungsarbeit als Schwerpunkt für die Mainzer Kulturentwicklung identifiziert.
Im Dezember - und künftig jährlich - soll dem Kulturausschuss erstmals ein Kulturbericht vorgelegt werden.